Die Tricks der Abofallen-Betreiber

Abofallen werden oft unterschätzt „Mir passiert das sowieso nicht!“ Habe ich auch gedacht. Und doch bin auch ich vor einigen Jahren in eine Abofalle getreten. Doch wie geht das eigentlich, wie werden solche Abos abgeschlossen? Ein Erfahrungsbericht.

Abofallen sind keine ferne Gefahr; sind nicht nur für Laien gefährlich. Ich musste die perfiden Maschen der Abzocker vor einiger Zeit an eigenem Leib erfahren.

 

Klick- und Geld weg

Abofallen funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Dem Nutzer durch möglichst geringes Zutun ein möglichst teures (und langes!) Abo unterzujubeln. Die Floskel „Mir kann das nicht passieren!“ ist da so passend wie bei der Gefahr eines Einbruchs.

Ist es dann doch geschehen, ist man nicht selten zunächst perplex „Bin ich jetzt Schuld? Habe ich falsch geklickt?“ Nein, hast du nicht: Die Abzocker haben genau deine Reaktion erwartet, nein geplant.

Abofallen sind unvorhersehbar...

Abofallen sind unvorhersehbar…

Beispiel gefällig? Vor drei/vier Jahren ging eine Abzock-Firma namens Music**** (Name auf Verlangen der Firma unkenntlich gemacht) durch die Medien. Mithilfe zahlreicher namhafter und seriöser Partner, darunter Bärenmarke, Becks Bier, Ritter Sport, Schogetten und dem ADAC brachten diese Gratis-Musik-Gutscheine in Umlauf.

Mit Erfolg: Die Gratis-Downloads brachten viele Menschen dazu, sich ein Konto bei Music**** zu erstellen. Auch mich. Der Fakt, dass zahlreiche große Firmen Music**** unterstützten, ließen mich nie an der Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens zweifeln.

Erst lief auch alles super. Nach einiger Zeit jedoch kam eine Mail, die meine Laune schlagartig ändern sollte. Ich wurde gebeten, dass Passwort zu ändern. Als Dank für die Mithilfe bekäme ich gar einen Song meiner Wahl gratis.

Ich klickte also auf den Link, gab das aktuelle und das neue Passwort ein, bestätigte die Änderung durch den Klick auf einen „Passwort ändern“-Button und habe damit ein Abo abgeschlossen. Wie? Ganz einfach: Außerhalb des ohne scrollen sichtbaren Bereichs stand in grau auf weiß, dass man ein Abo abschließe, sobald man auf den Button klicke.

Das Ergebnis war eine Bestätigungs-Mail, auf die ich sofort Widerspruch einlegte. Hat Music**** aber natürlich nicht im geringsten interessiert. Es kam keine Reaktion. Stattdessen bat man mich noch dreist, die Zahlungsdaten zu vervollständigen, damit man das Geld abbuchen könne.

Das ganze endete in einem mittleren Medienecho (Speziell Akte 20.12) und einigen Drohungen meinerseits mit Anzeige und co. In den Medien war gar von den „Machenschaften der Abofallen-Mafia“ die Rede.

Ich wendete mich auch wenig freundlich an all jene Firmen, die entsprechende Gutscheine überhaupt erst in Umlauf brachten und fragte um Hilfe. Außerdem drohte ich auch dort mit rechtlichen Konsequenzen, sofern nichts passiere. Abgezockt werden ist kein schönes Gefühl.

Music**** beteuerte bis zuletzt, keine Abofallen zu betreiben. Schließlich sei ihnen „die Kundenzufriedenheit sehr wichtig und ein entscheidender Baustein der Firmenphilosophie“. Ja, nee, is klar.

Zum Glück haben sich alle von mir angeschriebenen Firmen um die Sache gekümmert. Die Firmen und berichtende Medien haben das Unternehmen in der Luft zerrissen und Music**** hat Insolvenz angemeldet. Problem gelöst.

Dennoch war das, was die Firmen gemacht haben, grob fahrlässig und obendrein auch noch Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug. Alleine das wäre eine Anzeige mehr als wert gewesen.

 

Abofallen- nicht zu unterschätzen

Abofallen sind darauf ausgerichtet, nicht als solche erkannt zu werden. Das Abschließen eines solches Abos geht (viel zu) schnell und ist unscheinbar.

Bei einer Passwortänderung rechnet niemand mit bösem. Oft wird mit kostenlosen Goodies gelockt- wie bei Music**** auch. Jeder, nicht nur der durchschnittliche Computer-Nutzer, muss aufpassen. Es kann jedem passieren. Das musste ich selber erfahren.

Auch wenn ich nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen bin, bin ich jetzt sehr viel vorsichtiger geworden. Ich gucke beim leisesten Verdacht genauer hin.

Was denkst du darüber?