Kunden gängeln und trotzdem abkassieren

OnePlus zeigt, wie man Kunden gängeln kann und trotzdem Geld verdient. Warum dieses Prinzip nicht funktionieren darf, und warum in Zukunft Firmen diesen Weg öfter einschlagen werden, erkläre ich in diesem Kommentar.

Nehmen wir spaßeshalber einfach mal an, ich sei Supermarktleiter. Nehmen wir ferner an, ihr seid meine Kunden. Und nehmen wir zusätzlich an, dass ihr bei mir Einladungen braucht, um einkaufen zu können. Geht dieses Prinzip auf? Klar. Hiermit widme ich OnePlus bereits den zweiten Auftritt in einer meiner Kommentare. Und ich habe so die Ahnung, dass es nicht das letzte Mal sein wird.

 

Kunden gängeln & abkassieren

Kennt ihr OnePlus? Nein? Den Namen dieses aus Fernost stammenden Smartphoneherstellers solltet ihr euch merken: Ich bin mir sicher, in der Zukunft werden wir noch oft genug von den Jungs hören. Und das ist nicht gut gemeint.

Aber fangen wir von vorn an: OnePlus stellte vor einiger Zeit ein neues Smartphone vor, welches auf den Namen „One“ hört. Soweit so gut. Dieses Smartphone bietet OnePlus jedoch nur exklusiv an- auf seiner eigenen Internetseite. Und hier fängt das Gängeln der Kunden an.

Nicht jeder nämlich erhält das Privileg dieses Billig-Smartphone käuflich zu erwerben. Der Kauf ist jenen vorenthalten, die einen „Invite“ (also eine Einladung) erhalten haben. Jawohl, es braucht eine Einladung, um dieses Produkt kaufen zu können. Angeblich liege es an der begrenzten Verfügbarkeit. Natürlich.

Es hatte offensichtlich niemand kommen sehen, dass ein Smartphone, dass derart gehypt wird, weg geht wie warme Semmel. Es war OnePlus auch nicht möglich, nach Monaten liefern zu können. Klar.

Die Unsitte, auf die OnePlus setzt, nennt sich „künstliche Verknappung“ und existiert nicht erst seit gestern. Auch Samsung fährt seit Jahren auf diesem Zug. Jedes Jahr erscheint ein neues Galaxy S. Und jedes Mal gibt es „Probleme in der Herstellung“. Jedes Mal verzögert sich die Auslieferung.

Der Vorteil dieses Verfahrens für Unternehmen? Presse. Hier ist es egal, ob es nun gute oder schlechte Schlagzeilen sind. Hauptsache, das eigene Produkt oder die eigene Marke steht im Mittelpunkt. Mehr interessiert nicht.

OnePlus ist die Spitze des Eisberges

Im Grunde genommen praktiziert OnePlus lediglich eine Weiterentwicklung einer funktionierenden Strategie. Die Kunden kaufen trotzdem. Aber woran liegt das? Wäre das im echten Leben auch möglich? Wohl kaum. Kunden würden sich mir Grausen von Läden mit derartigen Prinzipien abwenden. Und das zurecht.

Früher gab es mal so einen blöden Satz von wegen „Der Kunde ist König!“ Wenn es nach OnePlus und einigen anderen Firmen geht, so ist das Ablaufdatum dieses Spruchs mehr als überfällig.

Kürzlich öffnete OnePlus den freien Verkauf seines ersten Smartphones: Für wenige Stunden. Spätestens seit dieser Aktion sollte jedem klar sein: Hier geht es nicht um Schwierigkeiten oder Verzögerungen in der Produktion. Hier geht es um Aufsehen- um jeden Preis. Und die Presse macht brav bei diesem billigen Spiel mit.

Vielleicht sollten sich Kunden und Journalisten zukünftig öfters mal fragen, was sie sind: Kaufzombies oder mündige Menschen. Es liegt in eurer Hand.

Was denkst du darüber?