Die Kostenloskultur

„Wie? Das kostet was?!“ So die häufige Reaktion Internetnutzer bei entsetztem Entdecken, dass es Dinge gibt, die tatsächlich Geld kosten. Also echtes, so richtiges Geld. Sachen gibt´s.

Warum ist es so schwer für einige Menschen zu akzeptieren, dass es Bestimmtes nicht kostenlos geben kann? Keine Ahnung. Ich könnte regelmäßig laut losheulen, wenn ich sehe, wie sich Menschen darüber echauffieren, dass es Dinge gibt, die Geld kosten um bestehen zu können.

Möglicherweise sehen solche Menschen schlichtweg nicht, dass hinter den Angeboten Arbeit steckt. Ich komme mir blöd vor, so etwas Rudimentäres schreiben zu müssen. Das Phänomen des immer Kostenlos-vorhanden-habens hat sogar einen eigenen Artikel in der Wikipedia.

 

Qualität kostet

Es kann nicht gänzlich alles kostenlos angeboten werden, da die Bereitstellung eines Produktes unweigerlich zu Kosten führt. So sammeln sich bei einer App beispielsweise Personal-, Entwicklungs- und Serverkosten sowie diverse Gebühren an. All das muss letztlich von irgendjemandem bezahlt werden- vorzugsweise von demjenigen, der davon profitiert.

Eine App muss zudem gepflegt werden; sprich mit Updates versorgt werden. Wer einen gutes Produkt anbieten will, der braucht vor allem zwei Dinge: Spaß an der Sache und ausreichend Geld.

 

Werbung als Alternative

Die Menschen fragen sich, weshalb das Ganze nicht mit Werbung finanziert werden kann. Wenn sich eine App schließlich mit Werbung finanziert, so ist das Gejammer groß- Werbung stört schließlich.

Teilweise ist Werbung auch einfach vollkommen deplatziert. Entweder weil es an Stellen zu sehr ablenkt, an denen die volle Konzentration des Nutzers erforderlich ist, oder weil sie nicht kostendeckend ist. Durch einen Klick auf eine mobile Werbeanzeige verdient der Entwickler sage und schreibe 1-3 Cent. Ein nicht sonderlich berauschender Verdienst.

 

Was kostet die Welt?

Überträgt man einfach mal das Verhalten besagter Nutzer in das „echte“ Leben, so wird schnell deutlich, dass ein solches Denken einfach nicht mehr als Wunschdenken sein kann und zum Scheitern verurteilt ist. Man stelle sich vor, du gingest in den Supermarkt deines Vertrauens und forderst alle Waren umsonst an.

Es wird vermutlich der kürzeste Supermarktaufenthalt deines Lebens gewesen sein. Ist es so schwer zu akzeptieren, dass auch für die Inanspruchnahme von digitalen Waren zu zahlen ist?

 

Von billigen Apps und Spielen

Noch weiter sinkt mein Verständnis, wenn Menschen den Preis von Apps und Spielen bei Google Play bemängeln. Die Preise liegen dort bei zumeist weniger als zwei Euro. Die dafür erhaltene Gegenleistung ist oft enorm und rechtfertigt den sowieso schon geringen Preis auf alle Fälle.

Auffällig ist, das Menschen, die sich über den hohen Preis beschweren, meistens auch eine, sagen wir, geringe Rechtschreib- und Ausdrucksleistung besitzen. Zugegeben, das mag jetzt hart rüberkommen, doch es entspricht der Wahrheit.

 

Betroffene digitale Dienste

Auch Zeitungen sind von der Kostenloskultur betroffen. Sie bedroht sogar deren Existenz. Die Menschen wollen nicht mehr für journalistische Arbeiten bezahlen. Meistens wird dann im selben Atemzug sogar noch die störende Werbung bemängelt.

Aktuell versuchen die großen Verlage eine neue Form des Lesens von Zeitungsartikeln online zu etablieren: die sogenannte Paywall. Zu einem bestimmten Preis stehen einem alle oder ausgewählte Artikel zur Verfügung. Ob das System akzeptiert wird, muss sich noch zeigen.

 

600€? Schnäppchen.

Zusätzlich bin ich über die rasant steigende Preistoleranz im Handymarkt erstaunt. Wie kann es sein, dass Menschen knapp 700€ für ein Handy ausgeben, aber das Zahlen für digitale Waren , welche die Funktionstüchtigkeit des Gerätes enorm steigern, grundsätzlich ablehnen, gar verteufeln?

Wenn ich mit Freunden über dieses Thema spreche, höre ich meistens Dinge wie:“Warum sollte ich denn dafür Geld ausgeben, wenn ich das doch auch kostenlos bekommen kann?“. Nun, mich persönlich widert Werbung in Apps an.

Es nagt an meinem Wertegefühl des Geräts, wenn ich diesen hässlichen und störenden Werbebalken am unteren Displayrand ertragen muss. Zudem geht mir der Trend von Kaufapps hin zu kostenlosen Apps, die sich über In-App-Käufe finanzieren, gewaltig auf den Geist. Ich zahle gerne einmal um eine App nutzen zu können aber sicherlich nicht zehn Mal!

Was denkst du darüber?