Darum siegt der Online-Handel

Einkaufen im Supermarkt. Nach Schuhe kaufen das Schlimmste für mich. Das Problem sind nicht die vielen Menschen, nicht die langen Schlangen an der Kasse, nicht das inkompetente, unfreundliche Personal. Oder doch?

In Technikmärkten kauft man Technik, in Schuhmärkten Schuhe und in Supermärkten super? Wohl kaum. Ich habe mittlerweile eine Art tiefen Hass gegen Supermärkte entwickelt. Und wieso? Eben weil die Supermärkte nicht wirklich „super“ sind.

 

Ha’m se noch 12 Cent?

Wie ich diesen Satz verabscheue. Jedesmal wenn ich diesen Satz zwei Meter vor mir, am Anfang der Kasse, höre- ich könnte durchdrehen. Generell hätte ich ja kein Problem damit. Aber es ist einfach ein verdammt schlechter Moment, nach Kleingeld zu fragen, wenn die Schlange bis an das Ende des Market reichen. Jetzt weiß ich auch, wieso die Schlangen immer so lang sind.

Doch nicht nur Kassierer spielen dieses Spiel gerne. Auch Kunden scheinen- vorausgesetzt natürlich sie sind bereits am bezahlen und nicht in der endlosen Schlange dahinter- dieses Spiel zu mögen. Das klingt dann ungefähr so: „Warten sie, ich will noch ein bisschen Kleingeld loswerden. Ein Cent, zwei Cent, drei Cent, vier Cent…“ Welch eine Freude es zu sein scheint, die anderen hinter sich bodenstampfend und schnaubend zu hören. Herrlich!

 

Baiser aus der Kloabteilung

Ich habe in meiner Karriere als „Immer an der falschen Kasse Steher“ und „Doofe Fragensteller“ schon viel erlebt. Aber das, was mir vor einiger Zeit eine Mitarbeiterin des Supermarktes um die Ecke bot, bleibt in Erinnerung. Ich habe für einen (übrigens überaus leckeren Nachtisch) Baiser gebraucht. Leute, die so gut wie nie backen, werden jetzt Fragen, was das ist. Nun, ist nicht schlimm. Im Grunde genommen ist ein Schaumgebäck aus gezuckertem Eisschnee. Ist nicht annähernd so exotisch wie es klingt- gibt es auch bei jedem guten Bäcker.

Man könnte meinen, das Personal kenne die Waren, die es verkauft. Man könnte meinen, es kenne sich mit Lebensmitteln aus. Man könnte meinen… ach lassen wir das. Ich habe also jene Mitarbeiterin gefragt, ob sie Baiser hatten. Die Antwort? „Ist das aus der Toiletten-Abteilung?“ Ich guckte nicht schlecht. Ein Grinsen zog sich über mein Gesicht. Scheinbar bemerkte die Mitarbeiterin dies und schob flott hinterher: „Oder aus dem Oster-Angebot?“

Das Ende vom Lied war, dass ich versuchte, zu erklären, was Baiser sei. Auf einmal standen drei Mitarbeiter um mich herum und rätselten, was dieses mysteriöse „Baiser“ bloß sei. Sie kamen natürlich nicht darauf.

 

Können wir wechseln?

Gut, kann mal vorkommen. Anderes Beispiel. Gerade erst heute passiert: Wieder so eine Situation wie oben. Ich stehe an der Kasse, die Schlange ewig lang. Die Kassiererin fragt, ob sie mein Kleingeld tauschen könne. Selbstverständlich bejahte ich- jede Diskussion hätte mich Nerven gekostet und sowieso nichts gebracht. Den doch recht aufdringlichen Blick meinerseits auf die immer länger werdende Schlange hinter mir, schien sie nicht zu bemerken. Oder bemerken zu wollen. Oder beides. Außerdem quoll mein Portemonnaie sowieso vor Kleingeld über.

Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie die Dame ihre Finger in meinem Portemonnaie hatte. Ich staunte nicht schlecht, mit welcher Selbstverständlichkeit sie dies zu tun vermochte.

 

Die Schlange ist lang. Sehr, sehr lang.

Noch ein letztes Beispiel. Großer Supermarkt. Mehr als 15 vorhandene Kassen. 2 davon geöffnet. Riesiges Verkaufsareal. Viele Kunden. Jeder, der nicht fünfmal in der Grundschule sitzen geblieben ist, kann mir jetzt schon sagen, dass das an den Kassen sehr eng wird. Jeder weiß es. Wirklich jeder. Nur die Marktleitung scheint mit der Fähigkeit ausgestattet, Menschenschlangen vollkommen aus ihrem Blickfeld ausblenden zu können.

Einzelfall? Denkste! Seit Jahren ist das so. Als Kunde ist man so gut wie machtlos. Und es ist egal, wie oft um die Öffnung einer Kasse bittet. Passieren wird sowieso nichts. Von den Mit-in-der-Schlangestehern erntet man lautlosen Beifall, sonst aber regt sich nichts. Ich könnte etliche weitere Beispiele nennen, wieso ich Supermärkte verabscheue. Aber ich denke, das reicht bereits. Mir jedenfalls schon lange.

 

Warum erzähle ich das?

Wenn du bis hier hin gelesen hast, scheint dich das Thema zu interessieren. Oder dir ist einfach nur saulangweilig. Vermutlich fragst du nun, was das in einem Technikblog soll. Nun, ganz einfach: die oben genannten Gründe sind jene, die dazu führen, dass der Online-Handel stärker wird. Keiner hat mehr Bock, sich sowas reinzuziehen. Nicht-Beratung bekomme ich auch im Internet- ganz ohne lästige Schlangen und Wechselgeld.

Wir brauchen nur Alternativen. Und dann stehen Supermärkte da, wo NOKIA jetzt steht. Der Zug ist abgefahren, die Uhr tickt. Und dann, oh Überraschung, sind es nicht mehr die Kunden, die über lange Schlangen jammern. Nein, wir dürfen uns dann anhören, dass Internet mache alles kaputt. Bitte, liebe Supermärkte, bitte erzählt dann doch einfach mal die ganze Wahrheit. Und nicht nur das, was euch gerade in den Kram passt.

Was denkst du darüber?