(A)soziale Netzwerke

Ja, ja: das Internet ist unglaublich sozial. Soziale Netzwerke, soziale Menschen, soziale Organisationen. Im Endeffekt stellt sich jedoch heraus, dass gerade die Menschen alles andere als sozial sind. Man könnte fast schon sagen asozial.

YouTube, Facebook, Google Plus und Twitter: all diese Plattformen ermöglichen mir, mit Menschen zu kommunizieren, mit denen ich nicht kommunizieren will. Ich bin mit Menschen befreundet, die ich noch nie im echten Leben getroffen habe und ich lese die Kommunikationen anderer, wildfremder Menschen.

 

Best-Of Kommentare

Das die sozialen Netzwerke nicht mal ansatzweise so sozial sind, wie ihr Name es erahnen lassen könnte, wurde mir gestern wieder einmal bei YouTube Kommentaren vor Augen geführt. Nachfolgend ein tatsächlich genau so stattgefundenes „Gespräch“ bei YouTube.

Person A: was soll das heißen? Dieses Suchti? du dummes Opfer Junge.
Person B: Benimm dich mal und geh die Kühe melken Bursche!
Person A: Warum sollte ich? Ich reagiere nur auf das behinderte Opfer weiter oben. Gegen dich habe ich nichts. Nichts für Ungut Freund. 
Person B: Opfer
Person A: Deine Mutter.
Person B: Häng dich auf arschloch
Person A: Huansohn

Sympathisch. Einfach nur sympathisch. Eigentlich hätte ich die Schimpfwörter mit Sternchen markiert, aber das war mir zu viel Arbeit. Ich missachte einfach einmal den Fakt, dass auf Satzzeichen und Grammatik verzichtet wurde. Das nennt man soziale Kommunikation. Im echten Leben mache ich das genau so: ich begrüße jemanden mit „dummes Opfer Junge“ und liefere mir anschließend einen verbalen Schlagabtausch. Merkste‘ was?

Muss denn sowas sein? Von Manieren nichts gehört, Netiquette als französischen Nachtisch abgestempelt und im Internet andere Menschen beleidigen. Kann man machen, muss man aber nicht. Wenn das so weitergeht, gibt es bald Smileys mit Mittelfinger. Achso, gibt es ja schon.

Positiv Exempel

Nicht alles ist schlecht. Im Gegenteil: ab und an entdecke ich sogar wirklich nette Diskussionen. Schmunzeln musste ich letztens ebenfalls bei YouTube, als jemand einer Diskussion beitrat mit genau demselben Gedanken wie ich: „So eine nette Diskussion sieht man selten!“

Letztens erst bin ich einer Google+ Gruppe beigetreten (BloggerNetzwerk) und habe erst mal einen totalen Freundlichkeits-Schock erlitten. Man wurde begrüßt. Und zwar nicht mit „dummes Opfer Junge“, nein. Mit einem „Willkommen!“

Vermutlich sind die Gründe für den netten Umgangston die „handverlesene Auswahl“ der Mitglieder und die Klarnamenspflicht. Namen wie „XXXBangerXXX“ kämen kaum in eine solche Gruppe. Auch hier auf Mobile Things sind mir (bis auf Spammer) noch keine unfreundlichen Kommentare untergekommen. Jeder verbal angreifende Kommentar würde sofort gelöscht.

Mit dem Löschen von Beiträgen ist es bei den sozialen Netzwerken wiederum nicht so einfach. Es scheint, als sei der Kampf gegen solche Menschen aufgegeben. Würden die Dienste Kommentare tatsächlich bei beleidigenden Inhalten löschen, so müssten diese professionelle Kommentare-Löscher einstellen. Und davon nicht gerade wenig. Derzeit ist der „Melden“ Button nicht mehr als Deko, um den Platz einigermaßen auszufüllen.

 

Wie sieht’s bei dir aus? Wurdest du schon einmal im Internet beleidigt?

Update: Gestern Abend (15.06.2014)  habe ich diesen Artikel geschrieben- heute morgen hat Google den Klarnamenzwang abgeschafft. Wir dürfen uns also auf „XXXBangerXXX“ und seine Freunde im Play Store, bei Google+ und bei YouTube freuen. Klasse, oder?

3 Kommentare

  1. Mia 7. Oktober 2015
    • Henrik Stamm 10. Oktober 2015

Was denkst du darüber?